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Bargeld ist ein Stück gedruckter Freiheit

15.03.2013 – Stichwörter:

Staaten haben verschiedene Möglichkeiten, ihren Haushalt zu finanzieren. Neben der klassischen Finanzierung über die Einnahme von Steuern und die Ausgabe von Staatsanleihen, können sie sich über Inflation gesund kurieren, da diese den realen Wert der Staatsschulden senkt. Doch in der Staatsschuldenkrise, bei Steuerquoten über 50% und zunehmender Inflationsgefahr, scheinen diese altbewährten Methoden nicht mehr auszureichen, um die Last des Wohlfahrts- und Subventionsstaates zu tragen. Vermehrt greifen die Staaten der Euro-Zone daher zu kreativeren Formen der indirekten Finanzierung ihrer aufgeblähten Staatsapparate: Die finanzielle Repression nimmt in der Euro-Zone an Fahrt auf. Mittels Kapitalverkehrskontrollen, Zinsobergrenzen und anderer Zwangsmaßnahmen greifen die Staaten in den Anleihemarkt ein und versuchen, ihre Staatsanleihen attraktiver zu machen. Eine besonders subtile Form der finanziellen Repression ist die Einschränkung des Bargeldverkehrs.

Verschiedene Staaten der Euro-Zone haben in den vergangenen Jahren bereits weitgreifende Maßnahmen ergriffen:

In Griechenland gilt seit Januar 2011 ein Verbot von Bargeldzahlungen über 1.500€ für Privatpersonen und 3.000€ für Geschäftsleute. Geschäfte und Unternehmen sind dazu gezwungen, elektronische Kartenlesegeräte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr bereit zu stellen.
• Eine der ersten Amtshandlungen Mario Montis in Italien war im Dezember 2011 die Einführung einer Obergrenze für Bargeldtransaktionen von 1.000€.
In Spanien sind seit November 2012 Bargeldgeschäfte über 2.500€ verboten und Privatpersonen sind dazu gezwungen, Quittungen aller ihrer Transaktionen fünf Jahre lang aufzubewahren.
Auch Frankreich plant ein Verbot von Barzahlungen über 1.000€ ab 2014. Schon heute gilt dort im Regelfall ein Maximum von 3.000€.
In Schweden fordern Gewerkschaften, Unternehmen und Behörden ein komplettes Bargeldverbot. Zwar spielt Bargeld in der schwedischen Wirtschaft ohnehin nur noch eine geringe Rolle, doch viele Menschen wollen weiterhin gerne an dieser Option festhalten.

Gerechtfertigt werden diese Einschränkungen der Freiheit von Konsumenten und Unternehmen offiziell mit der Geldwäscheprävention und dem Kampf gegen Steuerhinterziehung. Und tatsächlich: Bargeldzahlungen sind diskreter als der rein elektronische Verkehr mittels Chipkarte und spielen daher auf dem Schwarzmarkt eine wichtige Rolle. Elektronische Zahlungen dagegen können leicht nachverfolgt und langfristig dokumentiert werden. Doch es geht um sehr viel mehr als um Steuerhinterzieher und Geldwäscher. Die Staaten greifen zu Zwangsmaßnahmen um Kapitalflucht zu verhindern, Transaktionen ihrer Bürger überwachen zu können und ihre Steuerbasis zu erweitern. Bargeld ist ihnen dabei ein Dorn im Auge, da es dem Bürger Unabhängigkeit verspricht: Unabhängigkeit vom maroden Bankensystem und Unabhängigkeit von der Überwachungswut der Politik.

Und nicht nur die Finanzpolitiker der klammen Schuldenstaaten befürworten die Einschränkung des Bargeldverkehrs. Auch datenhungrige Unternehmen, die detaillierte Profile des Konsumverhaltens ihrer Kunden wünschen, stimmen in den Chor ein. Den Banken ist das elektronische Geld ebenfalls lieber, denn auf dessen Basis lässt sich die Kreditschöpfung leichter vollziehen und die Gefahr des massenhaften Abzugs von Geldreserven aus dem Bankensystem insgesamt sinkt beträchtlich.

In Deutschland sind derzeit noch keine Einschränkungen des Bargeldverkehrs geplant, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der europäische Trend auch hierzulande Fuß fassen wird oder die Europäische Union verbindliche Richtlinien für alle Mitgliedsstaaten ausgibt. Das bereitet mir große Sorgen, denn Bargeld ist ein Stück gedruckter Freiheit. Transparenz ist ein wichtiges Anliegen, doch es ist nicht Transparenz des Bürgers vor dem Staat, sondern die Transparenz des Staates vor dem Bürger, die wir Liberale anstreben. Nicht der gläserne Bürger – oder Geldhalter – ist mein Leitbild, sondern der gläserne Staat. Und ein solcher generiert seine Einnahmen transparent und klar ersichtlich über Steuern und Abgaben, statt die Bürger über finanzielle Repressionsmaßnahmen und Inflation versteckt zu enteignen. Die bargeldlose Gesellschaft mag auf so manchen technokratischen Staatenlenker wie eine Utopie wirken, doch ich halte sie für eine Schreckensherrschaft. Wem die Freiheit am Herzen liegt, der muss das Bargeld verteidigen!

Freundliche Grüße
Frank Schäffler

Jetzt kommt es drauf an

08.03.2013 – Stichwörter:

Mit zwei Parteitagen vor der Bundestagswahl hat die FDP ausreichend Zeit und Gelegenheit, um den richtigen Weg für einen Wahlerfolg einzuschlagen. Die Zeit seit der Wahl 2009 bis heute war nicht einfach. In den Umfragen sah die FDP lange Zeit nicht gut aus. Es gilt zu ergründen, woran dies lag. Im Grunde existieren zwei verschiedene Erklärungen. Die einen behaupten, die FDP gebe durch Querelen um ihr Führungspersonal ein schlechtes Bild ab. Der Wähler wolle keinen zerstrittenen Haufen, sondern eine geschlossene Partei. Auch gehe es um den Auftritt der FDP innerhalb der Regierung. Die ständigen Zerwürfnisse mit der Union um Finanztransaktionssteuern, Lebenspartnerschaften, Steuerreformen und Vorratsdatenspeicherung machten einen schlechten Eindruck. Ich nenne sie die Anhänger der Theorie des Erscheinungsbildes.

Doch die FDP hat in meinen Augen in erster Linie kein Personalproblem, sondern leidet unter inhaltlichen Schwächephasen. Die ständigen Rückzugsgefechte, das fortgesetzte Räumen liberaler Positionen, die Anbiederung an eine nach links gerückte Wählerschaft und an eine ihr folgende Union, das alles zermürbt die FDP. Kompromisse um die Freiheit schaden der FDP. Es kann nicht darum gehen, im vorauseilenden Gehorsam die – zweifellos vorhandenen – eigenen Überzeugungen zu verraten. Es hilft nichts, inhaltliche Konflikte mit der Merkel-Union zu vermeiden. Es hilft nichts, sich dem links-grünen Zeitgeist anzubiedern, weil man Angst vor schlechter Presse hat. Daher plädiere ich dafür, den Rücken gerade zu machen und unser Reden mit unseren liberalen Überzeugungen in Einklang zu bringen. Und dann danach zu handeln.
Wir brauchen eine FDP mit Mut zu Recht und Freiheit. Wir brauchen keine Angst zu haben vor schlechter Presse. Wir müssen uns nicht nach denen richten, die von uns sozialdemokratische Politik verlangen, uns aber ohnehin selbst dann niemals wählen würden, wenn wir ihren Vorstellungen von Politik nachkommen. Unser Zielpublikum sind die verbliebenen Liberalen. Es gibt sie! Bei meinen vielen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb der Orts- und Kreisverbände treffe ich auf diese Menschen. Sie sind außerordentlich froh, wenn man ihnen zuhört und eine Stimme verleiht. Denn das kommt nur noch selten vor.

Aus Mut zu Recht und Freiheit dürfen wir uns daher in unseren Überzeugungen nicht klein machen. Wir müssen einstehen gegen Mindestlöhne. Und zwar gegen alle Arten, nicht nur die gesetzlichen und flächendeckenden, sondern auch gegen die für Branchen, gegen die regionalen und gegen die durch Rechtsverordnung oder von Kommissionen festgelegten Lohnuntergrenzen. Sie alle sind schädlich und es ist Aufgabe der FDP, dies klar zu sagen. Es gibt viele weitere Themen, wo unsere klar artikulierte und prinzipienfeste Stimme nötig ist. Unser Handeln beginnt bei der Finanztransaktionssteuer, die wir klar ablehnen müssen. Sie ist ein Placebo, trägt nichts zur Eurokrisenbewältigung bei und ist sinnlos. Hier dürfen wir uns nicht in verschwurbelter Sprache verlieren. Und längst noch nicht aufhören darf unser Handeln beim liberalen Widerstand gegen Quoten aller Art.

Wir sind Liberale. Wir kennen die Prinzipien und führen die Freiheit im Munde. Die Freiheit ist Grund und Grenze liberaler Politik. Nun müssen wir auch unser Handeln nach unseren Überzeugungen ausrichten. Die FDP muss ihre Ohren den letzten Vernünftigen leihen, denen niemand mehr zuhört. Sie muss das Sprachrohr derer sein, denen es die Sprache angesichts des Wahnsinns um Eurorettung und Energiewende verschlagen hat. Hören wir auf unser Herz und unseren Verstand und folgen mit Mut ihrem Ruf, dann kommt der Erfolg zurück. Jetzt kommt es drauf an!

Freundliche Grüße
Frank Schäffler

Lasst die Käufe beginnen!

01.03.2013 – Stichwörter:

Das Anleihenkaufprogramm der EZB (dazu hier und hier) steht nach Aussage von EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré bereit. Die Käufe könnten beginnen, sobald ein Land die Bedingungen erfülle. Voraussetzung sei, dass ein Land Anleihen mit unterschiedlicher Laufzeit an den Markt bringe. Irland und Portugal erfüllten diese Bedingungen jedoch noch nicht.

Damit wird, auch wenn noch niemand darüber spricht, dringlicher, was ich schon vor Monaten geschrieben habe: Dem Bundestag steht eine Beschlussfassung über die Programme für Irland und Portugal bevor. Beide Programme laufen aus: Irland im vierten Quartal 2013, Portugal im zweiten Quartal 2014. Die offiziellen Berichte zu beiden Programmen stimmen nicht. Auf die positiv gefärbten Pressemitteilungen der Kommission kann man sich nicht verlassen. Doch kaum jemand macht sich die Mühe die Zahlen zu prüfen (vgl. meine Analysen zu Irland und Portugal).

Klar ist, dass beide Programme aus dem Ruder gelaufen sind. Die Eurogruppenarbeitsgruppe hat deshalb am 21. und 22. Februar darüber diskutiert, wie Irland und Portugal zu helfen ist. Die nachteilige konjunkturelle Entwicklung spielt eine bedeutende Entwicklung. In ihrer erstmals erstellten Winterprognose erwartet die Kommission für Portugal im Jahr 2013 bei einer um 1,9 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung eine Verschuldung von 123,9 Prozent. Für 2014 wird ganz optimistisch ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet, was zu einer Verschuldung von 124,7 Prozent führen soll. Dabei schafft es das Programmland selbst 2013 nicht, einen ausgeglichenen Haushalt zu verabschieden: 2013 wird das Defizit 4,9 Prozent betragen. Das Defizit 2014 soll 2,9 Prozent betragen und damit gerade eben innerhalb des Rahmens liegen. Wie wackelig diese Zahl vor der durch nichts begründeten Annahme eines positiven Wachstums ist, muss ich nicht erklären. Selbst wenn: Bei einer Staatsverschuldung von mehr als 120 Prozent reicht ein Defizit von soeben 3 Prozent bei weitem nicht für eine tragfähige Staatsverschuldung aus.

In Irland ist die Lage ähnlich. Auf die Zahlen ist im Einzelnen nicht weiter einzugehen. Es reicht der Hinweis, dass Irland einen eigenen Bankenstresstest im Herbst plant. Experten schließen nicht aus, dass Irlands Banken über die bisherigen 64 Milliarden Euro weiteres Kapital benötigen werden. Bei einer Staatsverschuldung 2013 und 2014 von jeweils nördlich 120 Prozent des BIP kann man sich ausmalen, dass das irische Programm nicht ausreichen wird. Über den verbotenen Kniff mit der monetären Staatsfinanzierung habe ich kürzlich berichtet.

Auf der Agenda steht deswegen die Suche nach Mitteln, mit denen die irischen und portugiesischen Programme so verändert werden können, dass man ihr jeweiliges Scheitern nicht bemerkt. Schon früh habe ich dazu geschrieben: Man wird die Voraussetzungen schaffen, damit die EZB über ihr Anleihenkaufprogramm OMT die Mittel beisteuern kann, die die Staaten entweder aus ökonomischen Gründen nicht aufbringen können oder aus politischen Gründen nicht aufbringen wollen. Es steht jedenfalls fest, dass es keine nominale Mittelerhöhung geben wird. Dadurch würde klar werden, dass Griechenland keineswegs ein Sonderfall ist. Stattdessen diskutieren die Finanzminister eine Laufzeitverlängerung der Programme. Die Rückzahlungsfristen könnten gestreckt werden. Vor allem wird man die Voraussetzungen für das Eingreifen der EZB schaffen. Dazu werden die Programme nicht nur verlängert werden müssen. Meine Vermutung ist weiterhin, dass die Programme um Instrumente zum Tätigwerden am Primärmarkt erweitert werden. Die Schuldenschirme werden den verbleibenden Rest der Finanzhilfen nicht in Form von Darlehen ausschütten. Die Mittel werden zum Ankauf von Anleihen am Primärmarkt umgewidmet. So kann das Volumen der Rettungsmittel gleichbleiben, während durch diesen Eingriff gleichzeitig ein aktiver Anleihenmarkt für die verschiedenen Laufzeiten geschaffen wird. Dies ist natürlich kein echter Marktzugang. Doch er reicht auf dem Papier aus, um die von der EZB für ihr eigenes Kaufprogramm OMT geforderten Bedingungen zu erfüllen. Die EZB wird dann im Einklang mit ihrem OMT-Programm am Sekundärmarkt irischer und portugiesischer Anleihen auf Einkaufstour gehen. Der Effekt ist völlig klar: Mit der Druckerpresse werden die klaffenden Lücken der gescheiterten Programme verdeckt!

Das Zusammenspiel zwischen EZB und Eurogruppe ist bedenklich. Eine Abrede zwischen beiden lässt sich zwar nicht nachweisen. Doch handeln beide eindeutig im koordinierten Konzert. Im Kartellrecht spräche man von verbotenem abgestimmten Verhalten. Die EZB ist eindeutig Akteur im politischen Diskurs. Eben erst hat ihr Präsident Draghi wieder eine politische Union gefordert. Doch es ist nicht Aufgabe einer sich als unabhängig bezeichnenden Zentralbank politische Handlungsempfehlungen abzugeben. Draghi hat sich in seiner jüngsten Rede sogar eines Zitats von Eucken bedient: „As Walter Eucken, the philosophical father of ordoliberalism, noted, “all efforts to establish a liberal order are futile unless a certain monetary stability is guaranteed. Monetary policy therefore has a primary importance for the liberal order.” Wenn Draghi sich dies nur zu Herzen nähme!

Das einzig Gute an dem acting in concert von Politik und Zentralbank ist, dass der Bundestag die Programmverlängerungen und die Ausdehnung der Instrumente um Primärmarktinterventionen genehmigen muss. Ein solcher Beschluss ist gleichbedeutend mit der Aufforderung an die EZB, monetäre Staatsfinanzierung zu betreiben. Das wird sich nicht verschleiern lassen. Durch solche Transparenz wird eindeutig, wer die politische Verantwortung für diesen ökonomischen Frevel unter Bruch der europäischen Verträge tragen muss.

Freundliche Grüße
Frank Schäffler

Mindestlohn bis der schizophrene Arzt kommt

22.02.2013

Die Einführung des Euro hat wegen des Einheitszinses zu einem Gefälle in der Währungsunion geführt. Kapital floss aus Deutschland in die peripheren Hoffnungsträger der Eurozone ab. Dort wurden die Zinsen günstiger und die Regierungen konnten mehr Geld ausgeben. In Deutschland hat der Kapitalabfluss den Reformbedarf sichtbar gemacht und zur Agenda 2010 geführt. Sie reduzierte Zahl und Qualität der staatlichen Eingriffe in den Arbeitsmarkt, was uns gut tat. In den südlichen Ländern führte der Kapitalzufluss zum gegenteiligen Effekt. Die Mindestlöhne stiegen an und der Kündigungsschutz wurde ausgeweitet. Vor dem Scherbenhaufen dieser Sozialpolitik mit dem Füllhorn steht die Peripherie heute. Die Kosten für vermeintliche soziale Wohltaten haben die Haushalte gesprengt. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit enorm angestiegen, insbesondere unter den Jugendlichen. Die Troika hat entsprechende Reformen zur Bedingung ihrer Anpassungsprogramme gemacht.

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Die hohe Arbeitslosigkeit in Griechenland sei ein Ergebnis zu hoher und unelastischer Löhne, die mit der Produktivität der Arbeitnehmer nicht im Einklang steht. Auf Anweisung der Troika hat Griechenland deshalb die Lohnfindung auf die Unternehmensebene verlagert. Nach ihrem Auslaufen gelten Tarifverträge demnächst nur noch eingeschränkt fort. Auch hat die Troika die Mindestlöhne senken lassen. Und künftig binden Kollektivvereinbarungen nur noch die Tarifpartner. Sie gelten nicht für dritte Parteien. Die Lohnfindung ist dadurch stärker dezentralisiert worden, um die Anpassung an die neuen wirtschaftlichen Verhältnisse zu ermöglichen. Die Ziele der Troika, so erklärt sie ausdrücklich, richten sich auf die Verbesserung der Jobchancen der Jugend und der Geringqualifizierten. Die fehlende Elastizität, so die Troika, habe zu einer besonders hohen Arbeitslosigkeit dieser verwundbaren Gruppen geführt (S. 41).

Die Feststellungen der Troika sind völlig korrekt. Griechenland braucht Liberalisierung im Arbeitsrecht. Strenge gesetzliche Vorgaben im Arbeitsrecht schränken die Vertragsfreiheit ein und verhindern Arbeitsplätze. Der Grund ist einfach, wie man am Beispiel Mindestlohn sehen kann: Obwohl ein Mindestlohn den Arbeitslohn festsetzen kann, kann er keine Arbeitsplätze garantieren. In der Praxis grenzt er Geringqualifizierte aus dem Arbeitsmarkt aus. Denn Arbeitgeber sind typischerweise nicht bereit, einem Arbeitnehmer mehr zu zahlen als den Wert dessen, was er erwirtschaften kann. Wenn etwa Geringqualifizierte und jugendliche Berufseinsteiger bei einem Arbeitgeber 6 Euro die Stunde erwirtschaften können, dann werden sie nicht zu einem Mindestlohn von 8 Euro pro Stunde eingestellt. Ein Mindestlohn übersetzt sich in folgendes Verbot: „Wenn Du keinen Job mit einer Entlohnung zum Mindestlohn findest, dann darfst Du nicht arbeiten!“

Dieses bösartige Arbeitsverbot zu Lasten der Bedürftigsten gilt dort, wo der Mindestlohn Wirkung entfaltet. Der Wirkungsbereich kann vielfältig gestaltet sein und unterschiedlich aussehen. Daher ist vieles, was nicht so genannt wird, dennoch ein arbeitsverbietender Mindestlohn. Denn jede nicht von den Parteien eines Arbeitsvertrags selbst vereinbarte Lohnuntergrenze hat dieselbe beschäftigungsfeindliche Wirkung. Der am leichtesten zu erkennende Fall ist ein bundesweit geltender gesetzlicher Mindestlohn, doch nichts anderes gilt für alle anderen fremdbestimmten Lohnuntergrenzen: Einen branchenweiten Lohn, einen regionalen Mindestlohn oder einen für allgemeinverbindlich erklärten Tariflohn. Die bevormundende Einmischung in die Arbeitsverträge durch den Gesetzgeber oder ein von ihm eingesetztes Gremium ist daher zutiefst unsozial.

Es ist widersinnig, wenn die Gutmenschen den Krisenländern diese Medizin verordnen, doch ihre Einnahme hierzulande verweigern. Die zwei verschiedenen Therapien deuten daraufhin, dass der Arzt schizophren ist. Das wird im Europa der Mindestlöhne nicht verborgen bleiben. Der Arzt verliert seine Glaubwürdigkeit und der Widerstand gegen die strukturellen Reformen wird wachsen. Ein deutscher Mindestlohn wäre schädlich, weil er falsche Signale sendet. Zum einen an die Krisenländer, die in ihren Anstrengungen nachlassen, zum anderen an den Arbeitsmarkt, dem gezeigt wird, dass die Lohnfindung nicht mehr per Vertrag von Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgehandelt, sondern durch den Staat festgesetzt wird. Die Lohnfindung gehört in einer offenen Gesellschaft nicht in die Hände des Staats. Das wusste schon mein Parteifreund und Außenminister Guido Westerwelle als er sagte: „Mindestlohn ist DDR ohne Mauer.“

Freundliche Grüße
Frank Schäffler

Die Kungelwirtschaft: Dritter Weg, reloaded

18.02.2013

Vor mehr als 20 Jahren ist der Sozialismus in Osteuropa kläglich gescheitert. Mit der Lehman-Pleite 2008 sehen viele auch das kapitalistische Gesellschaftsmodell am Ende.

Ein breites Spektrum von Linken bis zu Konservativen und Partei-Liberalen sieht die Lösung der Verschuldungskrise in Europa in einer stärkeren Rolle des Staates. Dieser „dritte Weg“ wurde bereits nach dem Börsencrash 1929 versucht. Wie damals stehen heute die gleichen Themen auf der Agenda: Mindestlohn, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Steuererhöhungen und die stärkere Regulierung
der Banken. Selbst das von Roosevelt eingeführte Trennbankensystem kommt wieder aus der Mottenkiste. Ein später Erfolg der Kleinstpartei BüSo, die mich bei Veranstaltungen damit immer wieder konfrontiert. Jetzt können sie sich endlich auflösen. Wir haben geliefert!

Entscheidend für diese interventionistischen Maßnahmen ist jedoch ihre Kurzlebigkeit. Ein Eingriff zieht weitere Eingriffe notwendigerweise nach sich. Der Drei-Jahres-Plan für die „Griechenland-Rettung“ wird nach zwei Jahren zum Zehn-Jahres-Plan und nach drei Jahren zum
Zwölf-Jahres-Plan. Erst kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen von Griechenland auf, wenig später dann von Irland und Portugal, wieder später von Spanien und Italien. Als die Wirkung verpufft war, berieselte die EZB das Bankensystem mit 1.000 Milliarden Euro, damit diese die Staatsschulden aufkaufen können. Und als das nicht reichte, kündigte sie für überschuldete Länder den unbegrenzten Anleihenkauf an. Die Eingriffe fressen sich wie ein Wurm ins Wirtschaftssystem.

Wem hilft das? Denen, die nahe an der Politik sind. Es fördert eine Kungelwirtschaft, die nicht auf Befehl der Verbraucher wirtschaftet, sondern auf Befehl der Bürokraten. Wer weit weg ist von den Mächtigen, bleibt auf der Strecke oder schließt sich zu größeren Einheiten zusammen, um ebenfalls nahe an den Mächtigen zu sein.

Der Ökonom Ludwig von Mises, der sich wie kein anderer mit dem Phänomen der Kungelwirtschaft beschäftigt hat, schrieb 1929 in seinem Buch „Kritik des Interventionismus“: „Die große Krise, unter der die Weltwirtschaft seit der Beendigung des Krieges leidet, wird von Etatisten und Sozialisten als Krise des Kapitalismus bezeichnet. In Wahrheit aber ist es die Krise des Interventionismus.“

Dieser Beitrag erschien zuerst in meiner regelmäßig erscheinenden Kolumne im Magazin eigentümlich frei.

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