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Währungswettbewerb – Was bedeutet das für Ihr tägliches Leben?

hayekDas planwirtschaftliche Zentralbankenwesen ist das Grundübel unserer Zeit. Viele wirtschaftliche Probleme lassen sich auf die verzerrenden Effekte der monopolisierten Geldproduktion rückführen, wie unter anderem Jörg Guido Hülsmann in seinem neuen Buch „Krise der Inflationskultur“ darlegt. Dass ich zu den stärksten Kritikern des Zentralbankwesens gehöre, ist Ihnen bekannt. Ich scheue nicht davor zurück, meine Meinung zu diesem wichtigen Thema zu äußern, auch wenn viele meiner Kollegen im Parlament glauben, das Thema sei unwichtig oder gehöre nicht in die politische Diskussion und sei rein akademischer Natur.

Oft wird mir in der Diskussion vorgeworfen, dass ich zwar starke Kritik äußern würde, aber keine echten Alternativen anbieten könne. Ob meine Kritiker nur schlecht informiert sind, oder meine Vorschläge bewusst ignorieren, weiß ich nicht. Doch Alternativen zum Status Quo habe ich detailliert beschrieben: Statt des staatlichen Geldmonopols brauchen wir einen produktiven Wettbewerb mit privaten Geldproduzenten und freier Währungswahl durch die Geldnutzer und Sparer. Das Geldwesen muss entpolitisiert werden. Das ist die „Entnationalisierung des Geldes“, die der Ökonom und Nobelpreis-Träger Friedrich August von Hayek empfohlen hat.

Dass der Währungswettbewerb im Ergebnis zu weniger Inflation und mehr Stabilität führen wird, betone ich stets. Was aber bedeutet eine solche „Entnationalisierung des Geldes“ eigentlich für Ihr tägliches Leben? Für die Urlaubsreise, den Einkauf und das Sparkonto? Prognosen sind hier nur bedingt möglich, denn der evolutionäre Marktprozess ist im Ergebnis offen. Wir können nicht exakt vorhersehen, wie viele konkurrierende Geldarten es geben wird und wer sie nutzen wird. Doch einige wohlbegründete Vermutungen lassen sich aufstellen, denn wir wissen, wie der Markt, wie Wettbewerb, Angebot, Nachfrage und das Preissystem im Allgemeinen funktionieren.

Führt ein freier Währungswettbewerb zu unübersichtlichem Chaos und einem Nebeneinander von zahllosen Kleinstwährungen? Das ist nicht zu erwarten! Denn Geld ist ein sogenanntes Netzwerk-Gut: Die Verwendung einer Währung ist nur dann sinnvoll, wenn auch andere Menschen diese Währung im Tausch akzeptieren. Der Zersplitterung des Marktes in viele kleine Geldanbieter ist hier also ein natürlicher Riegel vorgeschoben. Niemand würde freiwillig eine Währung nutzen, die sonst niemand verwendet. Entsprechend können auf dem Markt auch nur solche Geldanbieter bestehen, die weitgehend akzeptierte Währungen anbieten. Im Marktprozess wird so eine gute Balance aus den Vorteilen weitverbreiteter Akzeptanz und aus den Vorteilen der wettbewerbsinduzierten Dynamik gefunden.

Doch genauso unwahrscheinlich wie ein unübersichtliches Nebeneinander Tausender Währungen ist die erneute Herausbildung eines Monopols. Denn für unterschiedliche Zwecke kann es durchaus sinnvoll sein, unterschiedliche Währungen zu nutzen: Für das Sparen, für den Bargeldverkehr, für den elektronischen Zahlungsverkehr, für Auslandsüberweisungen usw. Mit einem wachsenden Angebot verschiedener Währungen wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass jeder Geldnutzer die für ihn persönlich optimale Währung findet. Doch werden Sie nicht viel Zeit und Mühe investieren müssen, um sich über das breite Angebot zu informieren? Über Wechselkurse, Inflationsraten und Akzeptanz einer Währung? Wie heute schon auf vielen anderen Märkten werden auch hier Unternehmen entstehen, die es sich zur Aufgabe machen, die Geldnutzer und Sparer zu beraten und den Markt zu analysieren. Es werden sich Standards herausbilden, anhand derer verschiedene Währungen verglichen und bewertet werden können. Ein solcher Standard bildet auch eine einheitliche Recheneinheit: Kein Supermarkt wird zwanzig verschiedene Preisschilder aushängen müssen.

Was ist mit den vielen Annehmlichkeiten, die das moderne Finanzsystem mit sich bringt, mit bargeldlosem Geldverkehr, den Zinsen auf dem Girokonto und Online-Banking? Diese Innovationen kann ein wettbewerbliches Geldwesen sogar weitaus besser anbieten! Der Wettbewerbsdruck zwingt private Unternehmen ständig zu kundenfreundlichen Innovationen. Nicht die EZB hat uns diese Annehmlichkeiten beschert. Private Banken im Wettbewerb um Kunden waren es. Und wenn der Wettbewerb nicht nur um Spareinlagen, sondern auch um Währungen geführt wird, sind noch viele weitere Innovationen zu erwarten. Das kommt den Sparern und Geldnutzern zugute. Wettbewerb ist der Motor kundenfreundlicher Innovationen, das gilt auch für das Geldwesen.

Die Entnationalisierung des Geldes bedeutet auch eine Entpolitisierung. Von einzelnen Währungen wird nicht mehr das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften abhängen. “Scheitert der Euro, scheitert Europa”, erklärte die Kanzlerin. Man stelle sich vor, der Chef von Siemens würde erklären: “Scheitert Siemens, so scheitert die Elektronikindustrie.” Zu recht würde er ausgelacht werden, denn Alternativen und Wettbewerber stünden jederzeit bereit. Im Währungswettbewerb kann kein Staat und keine Bank die Sparer in Geiselhaft nehmen.

Der marktwirtschaftliche Wettbewerbsmechanismus umgibt uns ständig, zum Beispiel im Supermarkt oder beim Online-Shopping. Wir nehmen ihn oft nicht wahr, doch seine Früchte (niedrige Preise, hohe Qualität und breite Auswahl) genießen wir gerne. Gleichzeitig können wir die schädlichen Auswirkungen von Monopolen täglich beobachten. Dort, wo der Wettbewerb fehlt, warten lange Warteschlangen, mieser Service und hohe Preise auf uns. Es ist absurd, dass wir ausgerechnet beim wichtigsten Gut einer Volkswirtschaft – dem Geld – auf die Vorteile des Wettbewerbs verzichten. Die Kosten dafür tragen Sie als Geldnutzer und Sparer.

Freundliche Grüße
Frank Schäffler